{"id":1677,"date":"2025-05-31T15:35:37","date_gmt":"2025-05-31T15:35:37","guid":{"rendered":"https:\/\/whenua.at\/?page_id=1677"},"modified":"2025-05-31T16:12:51","modified_gmt":"2025-05-31T16:12:51","slug":"leben-in-ostarium-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/whenua.at\/index.php\/die-4-quarter\/travel-2-2\/leben-in-ostarium-3\/","title":{"rendered":"leben in Venvicium"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;]<div id=\"sc_title_1512074507\"\n\t\tclass=\"sc_title sc_title_default\"><h6 class=\"sc_item_subtitle sc_title_subtitle sc_align_center sc_item_title_style_default\">das leben in<\/h6><h2 class=\"sc_item_title sc_title_title sc_align_center sc_item_title_style_default\">Venvicium<\/h2><\/div><!-- \/.sc_title -->[\/vc_column][vc_column width=&#8220;3\/4&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Flavor Text (Story by Yvonne Leiche)<\/strong><\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Cassius ging gem\u00fctlich die n\u00e4chtlichen Stra\u00dfen von Venvicium entlang, und versuchte, die Aufregung im Zaum zu halten. Er verf\u00fcgte \u00fcber eine ausgezeichnete Selbstbeherrschung und hatte so viele gef\u00e4hrliche Situationen gemeistert, dass er nur noch selten mit Angst oder Panik zu k\u00e4mpfen hatte. Wenn er sich auf eine schwierige Unternehmung oder gar einen Kampf vorbereitete, \u00fcberkam ihn meistens eine \u00fcbernat\u00fcrliche Ruhe und sein Kopf war v\u00f6llig klar.<\/p>\n<p>Doch nun stand sein Erfolg kurz bevor; das Ziel, auf das er jahrelang hin gearbeitet hatte, war deutlich in Sicht, und er war aufgeregt. Er w\u00fcrde reich sein und dieses kleine Nest verlassen k\u00f6nnen, das der Protector von Linsar zu seiner Hauptstadt erkoren hatte. Nicht, dass er in diesem Quarter gr\u00f6\u00dfere St\u00e4dte zur Auswahl gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Kurz gab sich Cassius den erfreulichen Aussichten auf eine Zukunft im Norden hin; wo es Winter wie Sommer warm war; wo in den St\u00e4dten die zivilisierten Menschen nicht mit den halbwilden Rwang zusammen leben mussten, und wo es H\u00e4user gab, die mehr als zwei Stockwerke hatten. Ver\u00e4chtlich blickte er auf die niedrigen Fachwerksbauten, welche die Stra\u00dfe s\u00e4umten. Wer hierzulande ein Obergescho\u00df an seinem Haus hatte, galt bereits als reicher Mann. Und selbst in den Vorg\u00e4rten solcher herrschaftlichen H\u00e4user zogen die Frauen ihre eigenen Kr\u00e4uter und Gem\u00fcse heran; einige hielten sogar im Hinterhof Schafe, H\u00fchner oder Ziegen. Mehr noch, die Damen des Hauses waren sich nicht zu gut, selbst das Unkraut zu zupfen oder die St\u00e4lle ihrer Tiere auszumisten; kaum jemand hatte mehr als zwei oder drei Hausdiener angestellt.Nat\u00fcrlich hatte der Menschenschlag, der unter solchen Bedingungen leben wollte, auch seine guten Seiten. Die Menschen in Venvicium \u2013 und auch sonst \u00fcberall in Linsar \u2013 waren herzlich und offen, hilfsbereit und achteten einen Menschen nach seinen Taten. Sie konnten anpacken und ihre Probleme selbst l\u00f6sen. Andererseits konnten sie auch gar nicht anders \u00fcberleben, in einer so unwirtlichen Gegend wie dieser.Doch ebenso wie er die robuste Art der Leute hier sch\u00e4tzte, so wurde er auch davon abgesto\u00dfen. Er h\u00e4tte sich niemals eines dieser resoluten M\u00e4dchen hier zur Frau genommen, das arbeiten konnte wie ein Pferd, aber daf\u00fcr so stur sein wie ein Esel. Er dachte an die liebreizenden M\u00e4dchen im Norden, aus gutem Hause kommend und stets adrett gekleidet. Keins von ihnen hatte jemals ernsthafte Arbeit verrichtet; die meisten konnten bestenfalls sticken und weben. Viele konnten nicht einmal kochen. Doch das mussten sie auch nicht. Jede von ihnen war eine gute Partie und w\u00fcrde nur einen Mann heiraten, der ihr ein Leben in Luxus bieten konnte, in einem gro\u00dfen Haus und mit einer ausreichenden Dienerschaft.Und genau so ein Mann w\u00fcrde er bald sein.<br \/>\nEr hatte drei Jahre gebraucht, um seinen Auftrag zu Ende zu bringen. Ihm war von Beginn an klar gewesen, dass er sein Leben riskierte, aber die Aussicht auf eine reiche Belohnung hatte als Ansporn ausgereicht. In Wahrheit hielt er es sogar f\u00fcr Gl\u00fcck, dass man ihm die Aufgabe angetragen hatte.<br \/>\nF\u00fcr einen Moment dachte Cassius an das B\u00fcro des Tribunmajors, der an seinem schweren, dunklen Schreibtisch gesessen hatte, um sich dann verschw\u00f6rerisch vorzubeugen und leise zu sagen: \u201eDer Kojote, Cassius. Wir wollen endlich wissen, wer er ist. Dieser Mann ist ein Phantom, und er f\u00fchrt die Diebesgilde effizienter als jeder Boss vor ihm. Seine Spitzel sind \u00fcberall und sogar in Adelskreisen hat er Kontakte. Er ist gef\u00e4hrlich, und wir brauchen seine Identit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p>Es klang so einfach, und war doch so schwer. Cassius war sich v\u00f6llig im Klaren dar\u00fcber, warum die Pugna Umbralis ihn f\u00fcr diese Aufgabe gew\u00e4hlt hatte. In seiner unr\u00fchmlichen Kindheit hatte er selbst mehr auf der Stra\u00dfe als zu Hause gelebt; besonders als er noch jung war und seinem Vater nicht die Stirn bieten konnte. Er hatte sich bei den heimatlosen Stra\u00dfenkindern besser aufgehoben gef\u00fchlt als in der \u00e4rmlichen Bruchbude, die doch stets nur nach Alkohol und Unrat roch, und die mehr undichte Stellen in Wand und Dach hatte als ein Mehlsieb. Er hatte gestohlen, um sich den Respekt der anderen Jungs zu verdienen, und nicht so sehr, weil er Hunger hatte. Nat\u00fcrlich hatte er sich \u00c4rger eingehandelt, aber nicht mehr, als er verkraften konnte. Und als er \u00e4lter wurde und die Unternehmungen der Stra\u00dfenjungs vom harmlosen Apfelklauen zu organisierten Einbr\u00fcchen wurden, hatte er sich abgeseilt und war zum Heer gegangen.<\/p>\n<p>Darum war er jetzt hier, denn er wusste, woran man einen Dieb erkennt und wie man mit ihm umgehen musste. Er konnte Kontakte kn\u00fcpfen, ohne Verdacht zu erregen, und Straftaten begehen, ohne wie ein Anf\u00e4nger zu wirken. Dennoch war es nicht leicht gewesen, \u00fcberhaupt erst ein loses Ende zu finden, mit dem er beginnen konnte.<\/p>\n<p>Ironischer Weise waren es die Rwang gewesen, durch die er nach einigen Wochen, die er schon in Venvicium verbracht hatte, Anschluss an die Diebesgilde fand. Hier im S\u00fcden gab es viele Rwang, und sie waren ganz anders als die Elendsgestalten, die er aus Redis und Ostarium kannte. Sie waren wild und stolz und lebten tief in den W\u00e4ldern. Regelm\u00e4\u00dfig kamen Gruppen von verschiedenen St\u00e4mmen in die Stadt, um Handel mit Kr\u00e4utern und Fellen zu treiben, die sie streng genommen gewildert hatten. Er begann sich halbherzig f\u00fcr die Gesch\u00e4fte der Rwang zu interessieren und stellte schon bald fest, dass ihre K\u00e4ufer die Felle als Schmuggelware erwarben, um sie dann in den Norden zu schleusen. Am meisten verwunderte ihn daran, dass es am helllichten Tag geschah, sozusagen unter den Augen der Stadtwache, die niemals etwas dagegen unternahm.<\/p>\n<p>Die Schmuggler waren sein erster Kontakt zur Diebesgilde und es dauerte nicht lange, bis er ihr Vertrauen erschlichen hatte und sie ihn offiziell in die Gilde aufnahmen. Doch das war nur der Startschuss f\u00fcr den eigentlichen, m\u00fchsamen Aufstieg zur Spitze. Er intrigierte, kn\u00fcpfte Freundschaften, erledigte gef\u00e4hrliche Auftr\u00e4ge und kletterte langsam die Leiter innerhalb der Diebesgilde hinauf. W\u00e4hrend er Kopf und Kragen riskierte stellte er mit Entsetzen fest, dass er ein ausgezeichneter Verbrecher war.<\/p>\n<p>Er dachte nie ernsthaft daran, die Seiten zu wechseln. Es war nicht so sehr die Angst vor der Verfolgung durch die Pugna Umbralis, die ihn bestimmt das Leben gekostet h\u00e4tte, sondern viel mehr der Widerwille, sein restliches Leben im kalten S\u00fcden zu verbringen und die Aussicht auf ein sorgenfreies Leben, sobald er seine Belohnung kassieren w\u00fcrde. Und diese Belohnung hatte er sich redlich verdient. Zu guter Letzt hatte er sogar eine Aff\u00e4re mit der Witwe eines ehemaligen Gildenbosses anfangen m\u00fcssen, um endlich Zugang zum Inneren Kreis zu erhalten. Danach hatte er einen Anschlag auf die Diebesgilde geplant, den er selbst vereiteln konnte. Es war ein riskanter Plan gewesen, der f\u00fcr seinen Geschmack zu viele unbekannte Faktoren beinhaltet hatte, aber er war damit durchgekommen.<\/p>\n<p>Und nun war er zum Kojoten bestellt worden. Er wusste inzwischen genug \u00fcber die Struktur der Diebesgilde, um diese Ehre richtig einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Seinen Informationen zufolge wussten nur drei Menschen \u00fcber die Identit\u00e4t des Kojoten Bescheid, und keine dieser Personen hatte er bisher gesehen. Er wusste nicht einmal ihre Namen. Dass der Kojote ihn sehen wollte, konnte nur bedeuten, dass er ihn zu einem seiner engsten Vertrauten machen und ihm eine besondere Aufgabe \u00fcbergeben wollte.<\/p>\n<p>Er war an seinem Bestimmungsort angelangt, einem unauff\u00e4lligen Haus, das einen ungepflegten Eindruck machte und \u00fcberhaupt nicht bewohnt aussah. Konzentriert gab er das vereinbarte Klopfzeichen, und nur wenige Augenblicke sp\u00e4ter \u00f6ffnete sich die T\u00fcr.<\/p>\n<p>Er trat in einen kalten, leeren Raum, der schon lange nicht bewohnt worden war. Ein alter, vergammelter Tisch stand in der Mitte des Raumes, und in einem Sessel, mit Blickrichtung zur T\u00fcr, sa\u00df jemand. Cassius trat einige Schritte n\u00e4her, da er in dem tr\u00e4gen Licht der Talgkerzen nicht erkennen konnte, wer ihn dort erwartete.<\/p>\n<p>\u201eDas ist nah genug,\u201c raunte eine tiefe und gleichzeitig sanfte Stimme, und er hielt sofort inne. Die Gestalt in dem Sessel beugte sich vor und enth\u00fcllte das Gesicht einer Frau. F\u00fcr einen kurzen Moment war er erstaunt, doch er verbarg es gut hinter seinem regungslosen Gesicht.<\/p>\n<p>Ihr Haar war stahlgrau, und ihr Gesicht hart, kalt, und scharfkantig. Ihre eisblauen Augen blickten klar und intelligent, und sofort wurde Cassius bewusst, dass er sie bewunderte. Ganz kurz \u00fcberlegte er, dass ihre Haare fr\u00fcher rabenschwarz gewesen sein mussten und ihr Gesicht edel und sch\u00f6n, bevor sich die Linien eines harten und gef\u00e4hrlichen Lebens darin eingegraben hatten.<\/p>\n<p>\u201eIhr seid Cassius,\u201c stellte sie fest, \u201eund nach allem, was ich h\u00f6re und sehe, seid Ihr derzeit mein bestes Pferd im Stall.\u201c<\/p>\n<p>Cassius sp\u00fcrte irrationalen Stolz in sich aufsteigen, als er dieses Kompliment h\u00f6rte. Ihre raue Stimme war anziehend und er begann zu verstehen, wieso diese Frau sich zum Anf\u00fchrer der Diebesgilde aufschwingen konnte.<\/p>\n<p>\u201eIhr seid sehr freundlich,\u201c gab er zur Antwort, \u201eaber Ihr seid mir gegen\u00fcber eindeutig im Vorteil, denn ich wei\u00df nicht, wer Ihr seid.\u201c<\/p>\n<p>Sie lachte kurz, aber es wirkte ein wenig gek\u00fcnstelt.<\/p>\n<p>\u201eWohl gesprochen, Cassius, aber Ihr wisst genau, wer ich bin. Ihr arbeitet f\u00fcr mich, schon seit fast drei Jahren. Und in dieser Zeit habt Ihr Euch gut gemacht.\u201c Er wollte etwas erwidern, aber sie schnitt ihm mit einer kurzen Handbewegung das Wort ab. \u201eIhr braucht Euch nicht geschmeichelt f\u00fchlen, oder falsche Bescheidenheit vorspielen\u2026 ich kenne M\u00e4nner wie Euch und wei\u00df, dass Euch ein starker Ehrgeiz antreibt. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, sehr genau zu beobachten, wer von meinen Mitarbeitern zu etwas taugt, und wer nicht. Wenn ich also sage, dass Ihr Euch gut gemacht habt, dann ist das eine Tatsache, keine Schmeichelei.\u201c<\/p>\n<p>Cassius nahm ihre Rede mit unbewegter Mine hin und versuchte, sie einzusch\u00e4tzen. Resolute Frauen wie sie waren in Linsar keine Seltenheit. Da sie die Diebesgilde eisern im Griff hatte, war sie bestimmt z\u00e4h, hart im Nehmen und gut im Austeilen. Andererseits kannte er viele Menschen wie sie, die hinter einer solch geradlinigen Art ihre Unsicherheit versteckten. Indem sie ihn mit einem verbalen Frontalangriff mundtot machte, vermied sie es, ihren Standpunkt diskutieren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte er gar nicht vor, ihr zu widersprechen. Stattdessen nickte er, und war bem\u00fcht, sich jede Linie ihres Gesichts einzupr\u00e4gen. Bestimmt w\u00fcrde man einen Gedankenleser einsetzen, um das Bild des Kojoten \u2013 nein, der Kojotin! \u2013 aus seinem Kopf zu holen.<\/p>\n<p>Die Kojotin musterte ihn mit einem druchdringenden Blick, und sprach weiter. \u201eCassius, du hast dich als vertrauensw\u00fcrdig erwiesen, und ebenso als f\u00e4hig. Ich brauche gute M\u00e4nner wie dich in meiner Organisation. Wie du wei\u00dft, ist Tullius Bravus vor etwa zwei Jahren gestorben\u2026 du kennst ja seine Witwe sehr gut.\u201c Cassius quittierte diesen kleinen Seitenhieb mit einem flinken L\u00e4cheln, weil er sich sicher war, dass die Kojotin das von ihm erwartete. Ebenso registrierte er, dass sie ihn pl\u00f6tzlich wie einen Vertrauten ansprach und schloss daraus, dass er irgendeinen Test bestanden hatte, ohne zu wissen, wie. \u201eTullius war mein wichtigster Mittelsmann in Handelsbelangen. Er organisierte den Transport wertvoller Pelze und Felle nach Norden. Ich m\u00f6chte, dass du seinen Platz einnimmst. Wenn du Interesse hast, kannst du auch gern seine Witwe heiraten und sein Haus \u00fcbernehmen, ich bin mir sicher, dass sie dich mit offenen Armen empfangen w\u00fcrde. Du kennst Gracia Virel, mit der du vor wenigen Monaten zusammengearbeitet hast. Sie wird dich in der ersten Zeit unterst\u00fctzen. Du triffst sie morgen zur neunten Stunde beim Handelskontor. Hast du noch Fragen?\u201c Sie hob eine Augenbraue, und Cassius fragte: \u201eWelchen Anteil erhalte ich f\u00fcr diese Aufgabe?\u201c Die Kojotin grinste, und wieder war Cassius sich sicher, einen Test bestanden zu haben. \u201eZun\u00e4chst werden wir dich als offiziellen H\u00e4ndler aufbauen, und da Tullius bereits seit zwei Jahren tot ist, wird das nicht einfach werden. Andere haben die L\u00fccke gef\u00fcllt, die er hinterlassen hat, und wir werden sie daraus verdr\u00e4ngen m\u00fcssen. Es wird einfacher sein, falls du dich tats\u00e4chlich mit seiner Witwe zusammen tust, aber wenn nicht, ist das auch kein Beinbruch. Wir machen so etwas nicht zum ersten Mal, und du wirst gut daran verdienen. Von diesem Gewinn wirst du 50 Prozent an die Gilde abliefern. Sobald du auf dem Markt etabliert bist, werden wir damit beginnen, die Pelze und Felle, die wir von den Rwang kaufen, an der Steuer vorbei zu schmuggeln. Du spielst dabei nur den Mittelsmann, und genaue Instruktionen erh\u00e4ltst du, wenn es soweit ist. F\u00fcr jetzt lass dir gesagt sein, dass dein Anteil an diesen Gesch\u00e4ften f\u00fcnf Prozent vom Gewinn betragen wird.\u201c Fragend hob Cassius eine Augenbraue, und die Kojotin verstand sofort. \u201eF\u00fcnf Prozent mag gering klingen, Cassius, aber du wirst damit zufrieden sein. Bestimmt ist dir aufgefallen, dass Tullius einer der reichsten M\u00e4nner in Venvicium war, und seine Witwe selbst nach zwei Jahren ohne Einkommen weit davon entfernt ist, Not zu leiden.\u201c Erneut nickte Cassius und wusste, dass ihr Gespr\u00e4ch schon bald beendet sein w\u00fcrde. Insgeheim hatte er gehofft, dass die Frau ihren richtigen Namen nennen w\u00fcrde, doch es wunderte ihn wenig, dass sie ihn verschwieg. Aber das war nicht schlimm, er kannte ihr Gesicht, und mehr brauchte er nicht. Nur zwei Stunden, nachdem die Kojotin ihn entlassen hatte, verlie\u00df Cassius Venvicium. Er hatte diese Flucht lange geplant und alles war bereit gewesen. Jetzt musste er nur noch schnell genug sein und in Ostarium ankommen, bevor die Meuchelm\u00f6rder ihn fanden. Denn dass die Kojotin ihm ihre Halsabschneider hinterher hetzen w\u00fcrde, stand f\u00fcr ihn au\u00dfer Frage. Doch er hatte voraus geplant, und konnte jeden halben Tag sein Pferd wechseln. Er w\u00fcrde wenig schlafen und bis zur v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung reiten, und er w\u00fcrde es schaffen. Schon wenige hundert Meter au\u00dferhalb der Stadt spornte er das Pferd zu einem schnellen Galopp an und lie\u00df Venvicium mit einem Gef\u00fchl grimmiger Befriedigung hinter sich zur\u00fcck. Nachdem Cassius das sch\u00e4bige Haus verlassen hatte, lehnte sich die Frau mit den stahlgrauen Haaren seufzend im Sessel zur\u00fcck und rieb sich kurz die Schl\u00e4fen. \u201eEigentlich schade darum,\u201c meinte sie, \u201eEr h\u00e4tte einen hervorragenden Schmuggler abgegeben.\u201c Aus den Schatten des Raumes l\u00f6ste sich eine dunkel gekleidete Gestalt mit kurzem, schwarzem Haar, die einen langen Ledermantel trug. \u201eSo herausragend war er wieder auch nicht, \u201e meinte die Gestalt mit wohl modulierter Stimme. \u201eWir haben es ihm sehr leicht gemacht, und ihn durch viele Aufgaben geradezu hindurch getragen.\u201c Er schnaufte ver\u00e4chtlich. \u201eAls w\u00fcrden wir einem dahergelaufenen Ganoven nach nur drei Jahren Zugang zum Inneren Kreis gew\u00e4hren!\u201c Eine dritte Stimme mischte sich ein, als ein weiterer Mann aus den Schatten an einer anderen Wand auftauchte. Er war kleiner als der erste Mann und auch kleiner als die Frau mit den stahlgrauen Haaren. Seine Stimme war hell und von ansteckender Fr\u00f6hlichkeit. \u201eHauptsache, die Pugna Umbralis glaubt es, nicht wahr?\u201c fragte er rhetorisch und wandte sich dann an die Frau. \u201eDu warst ganz hervorragend meine Liebe.\u201c<br \/>\nSie schnitt eine Grimasse und entgegnete: \u201eN\u00e4chstes mal ist aber wieder jemand Anderes dran.\u201c Sie grinste kurz und meinte dann: \u201eDu k\u00f6nntest dich doch auch mal selbst spielen!\u201c Der Mann lachte herzlich und seine ansteckende Heiterkeit entlockten auch ihr und dem anderen Mann Gel\u00e4chter. \u201eNein,\u201c meinte er kichernd, \u201edas w\u00e4re doch viel zu offensichtlich.\u201c<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;3\/4&#8243;][vc_column_text css=&#8220;&#8220;] Flavor Text (Story by Yvonne Leiche) [\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Cassius ging gem\u00fctlich die n\u00e4chtlichen Stra\u00dfen von Venvicium entlang, und versuchte, die Aufregung im Zaum zu halten. 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